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Kalender 2016 - Intro

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Die Welt in Bewegung

Wandern, die verschärfte Form von Spazierengehen, ist, zumindest in Deutschland, sehr beliebt. Zwischen einer Stunde und einer Woche dauert diese Aktivität in der Regel, sie wird allein, in kleinen oder sehr großen Gruppen (Volkswandertag) ausgeübt. Italiener schlendern eher von Bar zu Bar und haben gar kein verbales Konzept von Wandern. Für Frankreich gilt Ähnliches, allerdings ist die Ersatztätigkeit eher Radfahren, Jagen oder Angeln. Motive sind hier Entspannung, Erholung, Gesunderhaltung.

Anders ist es mit der Wanderung im ganz großen Stil: der Wanderung von Völkern. Hier stellt die lateinische Wurzel „migrare: (aus-)wandern, wegziehen, übersiedeln) den gemeinsamen Nenner dar.
Der Wanderung von Völkern liegen dementsprechend völlig andere Motive zugrunde als dem geselligen Wandern. Hauptbeweggründe sind das Fehlen von Nahrungsquellen oder fehlende Sicherheit. Große Bevölkerungsgruppen wandern nicht aus positivem Antrieb, sondern aufgrund einer Mangelsituation.

So auch in dem aktuellen Fall. Die eigene Heimat mit dem Ausblick auf eine unsichere Zukunft zu verlassen, ist verbunden mit negativen Erlebnissen: Entbehrungen, Orientierungslosigkeit, Trauer, Kulturschock.
Die unzähligen Völkerbewegungen folgen dieser Kennzeichnung, von der Vertreibung der Juden aus Judäa über die Vertreibung der Mailänder durch Barbarossa, die Vertreibung der Indianer, die Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten, eine neuerliche Vertreibung der Juden bis zu den aktuellen erzwungenen Wanderbewegungen, wobei Vertreibungen als völkerrechtlich rechtswidrig angesehen werden.

Die individuelle Belastungssituation kann nur ermessen, wer sich vorstellt, das eigene Hab und Gut in einen Rucksack zu packen und Richtung Kleinasien loszuwandern. Eine für die meisten eher unangenehme Vorstellung
Im Kalender 2016 wollen wir einige Begleitumstände der derzeitigen „Wanderbewegung“ näher betrachten: Wie wird die Flucht organisiert, wie gestaltet sich die Begegnung mit anderen Kulturen, welches sind die Beweggründe der vielen Helfer, was bedeutet Integration, welche Bildungsmöglichkeiten gibt es für die vielen Neuankömmlinge, wie können Traumata verarbeitet werden, welche Coping-Alternativen stehen zur Verfügung. Zum Thema Bildung für Flüchtlinge kreiert ILI einige Projekte.

Vielleicht bringt Ihnen das Jahr 2016 einige altruistische Momente, die gleichzeitig Ihrem Ego wohl tun.
Das Team von ILI wünscht Ihnen allen jedenfalls ein ausgeglichenes, angstarmes Jahr 2016!

Ihr
Paul Held

P.S.: Für den Kalender 2016 haben wir uns für Sie etwas Neues ausgedacht: Sie finden in den gedruckten Texten jeweils einen QR-Code, mit dem Sie zusätzliche Informationen zum Thema im Internet abrufen können.


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