Kalender 2017 - August

08 august

Emotionen und Lernen

Lernen wird in der Psychologie definiert als eine dauerhafte Änderung des Verhaltens und von Verhaltenspotentialen, die durch Übung (im Gegensatz zu etwa Reifung, Prägung oder Krankheit) erfolgt.1 Meist werden im Zusammenhang mit dem Lernen Einflussfaktoren wie Motivation und kognitive Potentiale erforscht; Emotionen spielten oft eine untergeordnete Rolle. In den letzten Jahren rücken Emotionen allerdings vermehrt in den Fokus der Forschung – oft jedoch eher in einer negativen Ausprägung: So ist der Zusammenhang zwischen Prüfungsangst und Lernerfolg bzw. Misserfolg gut erforscht. Zum Zusammenhang von positiven Gefühlen wie Wohlbefinden mit Lernerfolg gibt es wesentlich weniger Studien2, wenn auch mit vielversprechenden Ergebnissen.
Fest steht, dass Prüfungsangst sich negativ auf die intrinsische Motivation, also das Bedürfnis, etwas aus Interesse heraus zu lernen, auswirkt. Betroffene versuchen, die Prüfungssituation zu vermeiden. Ist dies nicht möglich, kann Angst auch zu vermehrter Lernanstrengung und damit zum Erfolg führen. Allerdings sind die Prüfungsergebnisse im Zusammenhang mit Prüfungsangst normalerwiese schlechter als bei Lernenden ohne diese Angst.

Auch wenn unter Prüfungsangst erfolgreiches Lernen nicht ausgeschlossen ist, wirken sich negative Emotionen generell beeinträchtigend auf die Aufmerksamkeit, tiefenorientierte Lernstrategien und komplexe Lernaufgaben aus. Man kann festhalten: Geht es beim Lernen nur um den Abruf von Wissen, können positive und negative Emotionen zum Lernerfolg führen. Ist das Ziel aber ein kreativer, holistischer, tiefenorientierter Denkprozess, sind Lernende mit positiven Emotionen wie Begeisterung, Vorfreude und Stolz klar im Vorteil3.

Im Alltagsverständnis wird Lernen oft als reiner Wissenserwerb betrachtet. Lernen ist jedoch viel mehr: Lebenslanges Lernen und informelle Lernmöglichkeiten spielen eine immer größerer Rolle in allen Berufs- und Lebensbereichen4. Auch das Erlernen neuer Verhaltensweisen und Kompetenzen gehört zum Lernen dazu, Lernen ist also nicht nur der reine Wissenserwerb. Beim Erlernen neuer Einstellungen und Verhaltensweisen können Emotionen unterstützend wirken. So zielen z. B. die Kampagnen gegen den Nikotinkonsum bewusst auch auf die emotionale Ebene. Es werden nicht nur Informationen verbreitet, sondern auch an die emotionale Ebene appelliert, indem Ängste geweckt werden. Das bedeutet, dass eine Kombination von Information und Emotion nötig ist, wenn Einstellungen, und damit letztendlich auch Verhalten, geändert werden sollen. Das alleinige Weitergeben von Information reicht hingegen nicht aus, um Einstellungen und Verhalten zu verändern5.

Auch sind Emotionen im Lernalltag wichtig, wenn es um die Identifikation mit dem Lerngegenstand geht. Nur Themen, die auch emotional berühren und interessieren, werden langfristig behalten. Gefühle wie Freude, Überraschung, Mitleid oder auch Ekel können helfen, dass Lerninhalte langfristig im Gedächtnis bleiben6. Außerdem kann eine Identifikation, z. B. mit den Personen aus einer Geschichte, den Lernenden dabei unterstützen, ein emotionales Band zum Lerngegenstand zu knüpfen.

Zukünftig kann die Einbindung von Emotionen in den Lernalltag z. B. durch Serious Games oder Virtual Reality Angebote verbessert werden. Diese Methoden vermitteln nicht nur Wissen, sondern lassen den Lernenden eine Situation möglichst realistisch erleben und dabei auch die dazu passenden Emotionen empfinden.

Video zum Thema: Serious games und Lernen

Video mit Prof. Gerald Hüther zum Thema Lernen mit Begeisterung, pos. Emotionen in der Schule

 


Quellen/Sources:

  • 1 http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LERNEN/Lernen.shtml
  • 2 Wild, E., Hofer, M., & Pekrun, R. (2006). Psychologie des Lernens. In A. Krapp & B. Weidenmann (Hrsg.). Pädagogische Psychologie (5. Auflage) (S. 203-265),Weinheim: Beltz.
  • 3 Abele, A. (1996). Zum Einfluss positiver und negativer Stimmungen auf die kognitive Leistung. In J. Möller & O. Köller (Hrsg.), Emotionen, Kognitionen und Schulleistung (S.91-111). Weinheim: Beltz.
  • 4 Bundesministerium für Bildung und Forschung. Lernen im Lebenslauf. http://www.bmbf.de/de/411.php (Abgerufen am 10.11.2016)
  • 5 Klusendick, M. (2007). Kognitionspsychologie. In G. Naderer & E. Balzer (Hrsg.), Qualitative Markforschung in Theorie und Praxis. Wiesbaden: Gabler.
  • 6 Pädagogik News (2008). Emotionen und schulisches Lernen http://paedagogik-news.stangl.eu/wirkung-von-emotionen-auf-schulisches-lernen-und-leisten/ (Abgerufen am 10.11.2016)
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