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Tag der Lehre 2015 – Tagungsbericht

Am 11.12.2015 fand im Erlanger Kollegienhaus der 1. Tag der Lehre der FAU unter der Schirmherrschaft der Vizepräsidentin für Lehre, Prof. Dr. Antje Kley, statt. Die Veranstaltung wurde im Kontext des Projektes Qualität in Studium und Lehre (QuiS) ausgerichtet und gemeinsam vom Institut für Lern-Innovation (ILI) sowie dem Fortbildungszentrum Hochschullehre (FBZHL) organisiert und legte inhaltliche Schwerpunkte auf die Themen Videoeinsatz in der Lehre sowie E-Prüfungen und E-Assessments.

Nach der Begrüßung durch die Vizepräsidentin Prof. Dr. Antje Kley, ihrer Referentin Esther Paulmann sowie Alessandra Kenner (FBZHL) leitete Prof. Dr. Jörn Loviscach (FH Bielefeld) den Tag der Lehre mit seinem Vortrag „Digitalisierung in der Lehre: elektrifiziert oder elektrisierend?“ ein.
Dabei ging er auf mediale Veränderungen durch Digitalisierung in der Hochschullehre ein und legte anschaulich Chancen und Herausforderungen von Trends dar.

loviscach portraitDie Digitalisierung der Lehre rückt unter anderem durch das Aufzeichnen von Vorlesungen oder E-Prüfungen immer stärker in den Hochschulalltag. Eine Haltung, die im Zuge dessen immer mehr zu finden ist, lautet: Alles sollte möglichst gratis und immerzu verfügbar sein. So verlockend die Vorstellung klingen mag, birgt diese jedoch auch Risiken – sei es durch die Preisgabe von Daten, rechtliche Grauzonen oder weil das Erstellen von E-Learningkursen für WissenschaftlerInnen sehr zeitaufwändig, gar „karrieregefährdend“, sein kann. Auch soziale Netzwerke betrachtete Loviscach ambivalent: Der Austausch kann für Lehrende wie Lernende fruchtbar sein. Allerdings finden sich auch sozialer Druck, Anfeindungen und Neider bei Facebook, YouTube oder Twitter. Weiter wagte der Referent einen Ausblick auf die Zukunft des Maschinenlernens: Werden künftig Programme Texte bewerten, Prüfungen erstellen, Studierende beraten – oder überwachen? Als Fazit stellte Loviscach „Selbstverständliches“ in Frage und betonte die Bedeutung des sozialen Lernens in Präsenzvorlesungen: Wenn die Vermittlung von Grundlagen digital „ausgelagert“ wird, entsteht Zeit, um die gemeinsame Präsenzzeit besser zu nutzen oder individuell zu betreuen: nicht nur elektrifiziert, sondern elektrisierend mit didaktischem Mehrwert für Lehrende und Lernende.

Der Screencast des Vortrags kann übrigens schon jetzt auf YouTube in voller Länge abgerufen werden.

Anschließend gaben Sónia Hetzner und Claudia Schmidt (ILI) im Rahmen eines Kurzinputs „Videoeinsatz in der Hochschullehre: Mehr als nur Vorlesungsaufzeichnungen“ einen praktisch orientierten Überblick zu den vielfältigen Unterstützungsangeboten und Erfahrungen mit videounterstützen Projekten an der FAU. Besonders legten die Referentinnen Wert darauf, E-Learning zunächst schrittweise einzuführen und auszuprobieren. Wichtig sei auch, nicht vor dem anfänglich hohen Aufwand zurückzuschrecken, sondern sich darauf zu fokussieren, vom immensen Mehrwert des Videoeinsatzes profitieren zu können.

Stefanie Zepf (ILI) und Dr. Dirk Jahn (FBZHL) gaben im Anschluss daran den Impulsvortrag „E-Prüfungen und kompetenzorientiertes Prüfen“ und legten dar, welchen Mehrwert E-Prüfungen für die Umsetzung kompetenzorientierten Prüfens mit sich bringen. Besonders legten die Referenten Wert darauf, festzuhalten, dass E-Prüfungen mehr versprechen als nur eine bloße Abfrage von Faktenwissen mittels Multiple-Choice: Denn mithilfe der Integration von Medien (z.B. Video, Audio, interaktive Aufgaben) lassen sich authentische Problem- und Aufgabenstellungen schaffen, welche ein an Kompetenzen orientiertes Prüfen unterstützen und ermöglichen. Neben den organisatorischen und technischen Vorteilen einer E-Prüfung stellten die Referenten daher vor allem den didaktischen Mehrwert in den Vordergrund.

Nach einer Kaffeepause teilten sich die Teilnehmenden auf zwei Workshops zu den Themen „Erfahrungen mit Videoeinsatz in der Hochschullehre an der FAU“ sowie „E-Prüfungen und E-Assessment an der FAU“ auf.

Claudia Schmidt (ILI) führte durch den Workshop Videoeinsatz.

ausschnitt blended learning

Zunächst präsentierte Christian Attenberger (Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung) das virtuelle Tutorium Finanzmathematik. Die mittels Webcam und Tablet produzierten Screencasts sollen Studierende motivieren, sich bereits im Selbststudium auf das Tutorium Finanzmathematik vorzubereiten. Komplizierte Berechnung können von Studierenden so zu Hause einfach nachvollzogen werden. Ein gelungenes Konzept, das auch die Studierenden positiv evaluiert haben. Unter https://www.youtube.com/user/ChristianMathematik sind die Screencasts für die breite Öffentlichkeit zugänglich.

Birk Müller (Studiendekanat der Medizin) und die Studentin Katalin Hetzelt stellten im Anschluss daran die Medcasts vor – erneut ein Projekt von Studierenden für Studierende. Ausgehend vom knappen Zeitbudget vieler angehender ÄrztInnen, produzieren Studierende der Medizin Audio- und Videoclips zur Prüfungsvorbereitung: Prägnant, anschaulich und qualitativ hochwertig. Dozierende stehen den Produzierenden zur Seite und garantieren so eine korrekte Informationsweitergabe. Eine Evaluation ergab, dass 91% der Nutzenden die Medcasts an ihre KommilitonInnen weiterempfehlen würden. Auch die Medcasts sind via YouTube verfügbar: https://www.youtube.com/channel/UCpbeBRsXhxMqLo0B_Gw9gzA/videos

Anschließend zeigte Ferdinand Schäfer, Tutor des Lehrstuhls Theater- und Medienwissenschaften auf, wie gut sich die Aufzeichnung von Vorlesungen durch didaktische Weiterentwicklung zu kurzen Lernfilmen und deren Einbindung in ein Online-Lernszenario zur Nachbereitung von Lehrveranstaltungen und Tutorien eignet. Insbesondere durch das Einbinden von Video–Fragen führt dazu, dass Studierende die Inhalte gerne für die Prüfungsvorbereitung aufgreifen.

Auch in den Rechtswissenschaften profitieren Studierende von Webcasts, die juristische Arbeitsmethodik, zum Beispiel zum Arbeiten mit dem Gesetz, vermitteln. Michael Keuchen von der „Serviceeinheit Lehre und Studienberatung“ des Fachbereichs Rechtswissenschaft stellte den Workshopteilnehmenden die interaktiven Clips vor. Weiter besteht eine Sammlung examensrelevanter Entscheidungen, wo bedeutende Gerichtsentscheidungen analysiert werden. Auch hier nutzen Studierende das Angebot gerne zur Prüfungsvorbereitung.

Einen ganz anderen Fokus hat der Blended Learning Kurs „Beratung in der Hochschullehre“ für Lehrende Dr. Christa Baldioli und Dr. Uwe Fahr (FBZHL). Neben der Konzeption und didaktischen Planung der Präsenz- und Onlinephase wurden Videos mit Beratungsszenen produziert, um Dozierende für gute/schlechte Beratung zu sensibilisieren. Die Teilnehmenden des ersten Durchgangs lobten insbesondere die Möglichkeit, auch im Selbststudium Inhalte erarbeiten zu können und sich so mit flexibler Zeiteinteilung weiterbilden zu können.

Stefanie Zepf (ILI) führte moderierend durch den zweiten Workshop zu „E-Assessments@FAU“.

ausschnitt e pruefungen

Zuerst präsentierte Prof. Fischer mit Team das „e-exam“ an der Technischen Elektronik. Ergänzend zur Vorlesung wurden hier Fragenpools entwickelt, um unter anderem das Abprüfen des Verständnisses für große Zusammenhänge im System zu ermöglichen. Den Studierenden wird begleitend zur Veranstaltung ein elektronischer Fragenkatalog zum Üben („Mock exam“) angeboten, welcher auch auf die am Ende stattfindende E-Prüfung vorbereitet. Die Studierenden erhielten somit eine Möglichkeit, sich im Trockenlauf auf die bevorstehende Prüfung vorzubereiten. Als einen besonderen Mehrwert wurde vom Referenten die Tatsache hervorgehoben, dass durch das „Mock exam“ die Studierenden sich nicht selbstbetrügen können und reale Prüfungsbedingungen vorfinden.

Dr. Wigand Rathmann vom Lehrstuhl für Angewandte Mathematik 2 zeigte auf, wie sich mithilfe eines neuen ILIAS-Fragentyps (STACK) mathematische Fragestellungen online realisieren lassen. Die bisher verwendeten Fragetypen wie Single-Choice, Multiple-Choice oder Lückentextfrage sind so konzipiert, dass der Lehrende die Antworten vorgibt und der Lernende die richtige Antwort aussucht. Das ändert sich nun mit STACK, denn hier geben die Lernenden die Antwort ein und das System wertet die mathematischen Ausdrücke aus. Rathmann stellt vor allem die die genaue Rückmeldung, die die Studierenden anhand ihrer Eingabe erhalten sowie die Möglichkeit von Aufgaben mit auf einander aufbauenden Eingaben als Vorteil für das elektronische Prüfen mathematischer Fragenstellungen heraus.

Dr. Christian Ehli vom Lehrstuhl für Physikalische Chemie I stellte sein Online-Trainingscenter zur Physikalischen Chemie vor, das Studierenden der Pharmazie und Molekularen Medizin angeboten wird. Das Online-Trainingscenter bietet Übungsaufgaben für die Studierenden begleitend zur Vorlesung an, sodass die Studierenden die Möglichkeit haben, sich auf die wesentlichen Aspekte der Vorlesung zu fokussieren. Um die Attraktivität dieses Angebots zusätzlich zu steigern, wurde das Konzept didaktisch weiter angereichert: neben Checklisten, FAQ-Wiki, Literaturtipps mit Verlinkung zur UB wird ein „Full Support“ garantiert. Da überrascht es nicht, dass das Angebot bei den Studierenden sehr gut angenommen wird und sich die Klausurergebnisse seit Einführung des Angebots verbessert haben.

Zum Schluss des Workshops gab es noch einen Beitrag aus der Philosophischen Fakultät. PD Dr. Eva Wattolik und ihre Studentische Hilfskraft Julia Riss präsentierten das Projekt „TAHO (Teaching Arts Historians Online)“ am Institut für Kunstgeschichte. Aufgrund einer hohen Durchfallquote und unterdurchschnittlicher Noten, entschloss sich die Referentin und mit Ihrer Kollegin Frau Dr. Bettina Keller dazu, vorlesungsbegleitende Online-Tutorien mit Online-Übungstests ins Leben zu rufen. Seit 2013 wurden Fragenpools zu verschiedenen kunst-historischen Themen aufgebaut und sukzessive auf weitere Seminare ausgeweitet: Übungs- und Prüfungsmethoden wurden in Einklang miteinander gebracht, sodass die Studierenden mithilfe der Online-Übungstests und einer Online-Probeklausur optimal auf die abschließende E-Prüfung vorbereitet werden konnten. Der Erfolg des Konzepts zeigte sich rasch: geringere Durchfallquoten, bessere Noten und Studierende, die mit ihrem Lerngewinn zufrieden sind, überzeugen.

Abschließend fassten Alessandra Kenner und Dr. Michael Cursio (FBZHL) die zentralen Aspekte der beiden Workshops für das Plenum zusammen. Eine Übersicht der Ansprechpartner und Weiterbildungseinrichtungen rund um das Thema Videoeinsatz und E-Prüfungen gab Esther Paulmann (ILI). Eine fabelhafte Zusammenfassung der wichtigsten Thesen und Diskussionen der Veranstaltung fanden sich zudem auf Matthias Schwerts Visualisierung wieder. Durch die Methode des Graphic Recording wurde von dem Kommunikations-Designer ein Simultanprotokoll angefertigt, das die Tagung im wahrsten Sinne des Wortes untermalte.

Auch wenn dies das offizielle Ende des Tages der Lehre war, fanden sich noch viele Gäste beim anschließenden Networking Imbiss ein, um sich über ihre eigene Lehre und Projektideen auszutauschen und den Vormittag gemütlich ausklingen zu lassen.

Das Fazit der Organisatorinnen: Über 120 Anmeldungen und Teilnehmende spiegeln die hohe Relevanz und das Interesse zum Thema Digitalisierung in der Lehre wider. Ebenso erfreulich ist es, die vielen Best Practice Ansätze der FAU sichtbar zu machen und Interessierte am Thema in den Austausch sowie auf neue innovative Ideen zu bringen.
Wir danken allen Referentinnen und Referenten sowie unseren Gästen und freuen uns schon auf den Tag der Lehre 2016!

Beratung, Unterstützung und Weiterbildung rund um Lehre und Digitalisierung finden Sie hier:

Schulungen, Beratung: Im Weiterbildungsangebot des FBZHL finden Sie Workshop sowie die Möglichkeit zur Beratung zur didaktischen Konzipierung, Gestaltung und Durchführung von Lehrveranstaltungen und Prüfungen. In Kooperation mit ILI werden regelmäßig StudOn-Kurse angeboten. Unser komplettes Angebot finden Sie unter www.fbzhl.de. Allgemeine An-fragen richten Sie bitte an Alessandra Kenner (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).

Videoeinsatz: Wenn Sie gerne mit Screencasts oder Kameraeinsatz in Ihrer Lehrveranstal-tung experimentieren möchten, oder sich didaktisch-konzeptionelle Unterstützung wünschen, dann kontaktieren Sie gerne Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

E-Prüfungen: Sie planen Online-Übungstest oder E-Prüfungen in Ihre Lehre zu integrieren und benötigen didaktische und technische Unterstützung? Dann melden Sie sich gerne bei Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!